Sonntag, 25. Juni 2017

Dailekh wird erkundet

Namasté, Es ist Sonntagmittag, auf der Strasse herrscht das übliche Stimmengewirr des Dailekh Bazars, irgendwo hört man Musik, die Kinder sprechen Vokabeln den Lehrern in der Schule nach, die gleich über die Strasse liegt und ich sitze im Büro und habe frei. Schön, oder? 10 Tage Schreibstille, warum? Nun, es ist allerhand los gewesen. Seit dem letzten Beitrag haben sich die Ereignisse überschlagen, deshalb das lange Schweigen, doch der Reihe nach. In der Woche vom 12. Juni, diktierte mir Asmita die ersten 5 Interviews, die wir in Rittha gemacht hatten. Damit waren 2 Tage vergangen. Des Weiteren begann ich, an meiner Arbeit so wirklich zu schreiben, das Quellenverzeichnis azulegen und weiterhin Literatur zu lesen. Dazu gesellte sich eine heftige Diskussion, wer denn für meine Arbeit verantwortlich war. Im Helvetasbüro in Dailekh sind 2 Projekte untergebracht: Good Governance und ein Projekt, welches die Entwicklung eines besseren landwirtschaftlichen Dienstleistungssystems unterstützt. Wer genaueres wissen möchte, darf gerne googeln. Nun, die Verantwortungen waren nicht wirklich geklärt, beide Projektkoordinatoren überlastet und niemand hatte Zeit, mit Asmita und mir ins Feld zu kommen. Schliesslich konnte allerdings doch eine zweite Interviewsession in Toli, etwas nördlich von Dailekh in Richtung Jumla, festgelegt werden. Die Strasse endet in Toli: Am 16. Juni brachen Asmita und ich, mit Fragebögen ausgerüstet, nach Toli auf. Es war gegen 8 Uhr morgens und versprach ein schöner und heisser Tag zu werden. Das Vehicle, das wir für diese Fahrt angefragt hatten, hollperte aus dem Bazar hinaus und folgte ein Stück weit der "guten" Strasse, bevor es links weg abbog, in einen Wald, der von Lichtungen, Feldern und einzelnen kleinen Dörfern durchbrochen wurde. Die Strasse wurde holprig, sehr holprig, die Räder glitten fast auf dem staubigen Gestein aus, der Wagen ruckelte über Wurzeln und die Äste der nahestehenden Bäume streiften die Autoscheiben. Wir fuhren irgend was um die 30 km / h. Die Strasse schlängelte sich durch die nepalesische Hügellandschaft und wir erreichten schlussendlich Toli. Die Strasse war staubig und führte zwischen 2 Häuserreihen, links und rechts des Weges durch. Danach hörte der Weg auf bzw. war nicht mehr mit dem Auto passierbar. Zumindest für meinen Geschmack nicht. Wir stiegen aus und wurden vom "Field Coordinator" von Toli in Empfang genommen und in ein kleines Büro geführt. Die Häuser hier bestehen aus Lehm und Steinen, sind aber während der Tageshitze angenehm kühl. Der Boden war von einem Plastik bedeckt, ein Holztisch stand in der Mitte des Raumes und Gartenstühle aus Plastik dienten als Sitzgelegenheit. An den Wänden einiges Gerümpel. Schweigen, als wir uns an den Tisch setzten. ich dachte erst, wir seien nur zu dritt (field coordinator, Asmita und ich). Allerdings stellte sich heraus, dass noch einige Leute mehr am Tisch sassen, deren 2. Wir stellten uns vor und trugen unser Anliegen vor. Es sei möglich, 5 bis 7 Interviews und eine Fokusgruppendiskussion zu machen, sagte der Field Coordinator. OK. Danach gab es Daalbhaat und anschliessend folgte die erste Interviewserie. Eine Dame, Health Assistent im Dorf, begleitete uns. Das Dorf wirkte ausgestorben, es waren nicht viele Leute da. Eine Frau trieb ihre Ziegen, Küe und einen Büffel in den Wald zur Weide. Wir gingen die staubige Strasse entlang und bogen schräg nach rechts oben ab. Der Feldweg führte den Hügel hinauf, vorbei an Lehmhäusern, Maisfeldern und einigen grasbewachsenen Felsen. Der Fels hier ist sehr kalkig, staubig. Er erinnerte mich fast an Sandstein. Wir erreichten das erste Haus, in dem wir Interviews machen würden. Doch die Leute in Toli waren nicht sehr gesprächig. Das Interview dauerte lange und die Leute gaben Informationen nicht leicht preis. So ging es mit dem 3 und 4. Interview weiter und eine Dame verliess mitten im Interview den Platz. Sie müsse nach Hause, da sie zu viel Arbeit habe. Ja, wir erfuhren, dass wir an einem schlechten Zeitpunkt gekommen waren. Das ganze Dorf war bei der Reispflanzung. Erlichgesagt hatte ich das vergessen / nicht miteinberechnet. Naja, schlussendlich kamen 5 relativ gute Interviews zustande. Aber wir sollten am nächsten Tag zurück nach Dailekh, da eine Fokusgruppendiskussion unwahrscheinlich war und die Bauern zudem Sojabohnen nur für den Eigenkonsum produzierten. Das nächste Dorf, das Sojabohnen im grösseren Stil anbaut, wäre 3 h zu Fuss entfernt gewesen, der Weg dorthin sei allerdings "zu schwierig, wenn man nichts sieht." Ich quittierte das mit einem Stirnrunzeln, meine Einwände halfen nichts. OK, accepté. Nach einem guten Abendessen (Daalbhaat) und einer von Mücken- und Fliegengesumme erfüllten Nacht, kehrten wir nach Dailekh zurück, nachdem wir am Samstag, 17. Juni einen kleinen Morgenspaziergang in Toli gemacht hatten. Wir waren unter ständiger Beobachtung der Dorfkinder! Am Sonntag, 18. Juni, kam mein Supervisor der HAFL, ehemaliger Dozent für Extension und Rural Development, zu Besuch. Es wurden einige Dinge besprochen, von der Wohnsituation, über den relativ geringen "Ausgang" bishin zur Bachelorarbeit. Verantwortungen für die Arbeit wurden geklärt und wir haben nun die Aufgabe, mindestens 3 Mal in der Woche spazieren zu gehen, juuu! Eine dritte Interviewsession am 19. Juni und 21. Juni in Lakuri folgte. Diese war mit Abstand die Beste! Lakuri befindet sich südlich von Dailekh in einer Terassenlandschaft, in der die Bauern Mais, Reis, manchmal Hirse, Sojabohnen, Gemüse und Orangen / Kardamom anbauen. Dies alles auf sehr geringem Bodenmaterial, 10 bis 20 cm Humus danach derselbe Kalkstein wie in Toli. Es ist unglaublich, wie die Leute hier jeden auch noch so gering fruchtbaren Boden nutzen, um Lebensmittel anzubauen. Die Leute in Lakuri waren um einiges gesprächiger und auch hier wurden wir köstlich bewirtet mit Daalbhaat, frischem Jogurt, local Bhaale, Rettichsuppe und reich beschenkt mit Chichinda (Snakegard) und beim zweiten Mal sogar mit Sojabohnen. Diese rösteten wir in Dailekh. Sie werden wie Erdnüsse gegessen oder mit Chilli und Zwiebeln serviert. Nun, alle 17 Interviews in Dailekh mit den Farmern sind nun zu Ende. Doch es werden noch Interviews mit Händlern und Verarbeitern in Dailekh / Surkhet folgen sowie Interviews mit Bauern, Verarbeitern und Händlern über Linsen. Die Entdeckungsreise ist noch nicht abgeschlossen! Lakuri ist eine sehr wasserarme Gegend. Es gab zwar mal ein Wassersystem, welches jedoch zusammenbrach und niemand repariert es. Bei einem Hof müssen die Leute 1 bis 2 km zu Fuss gehen und Wasser heranschleppen. Auch hier in Lakuri wird alles von Hand gemacht, Feldarbeit, Kleiderwaschen etc. Die Strasse ist auch hier steinig und staubig, Regen ist bitternötig. Doch der Monsun verspätet sich. Doch seit einigen Tagen regnet es bei Nacht und morgens treiben feuchte Nebel in die Räume, wenn man das Fenster öffnet. Ganz vergessen habe ich den Besuch auf einer horticultural farm. Auch dieser statteten wir zusammen mit dem Büroteam und dem HAFL-Dozenten einen Besuch ab. Später, vergangenen Freitag, wohnten Asmita und ich einem Training von Farmern über Orangen und Gemüse bei. Da sah ich auch zum ersten Mal einen Kiwibaum! Ein sehr interessantes Rankengewächs. So, nun hab ich genug erzählt und das ist auch alles, was die vergangenen 10 Tage geschehen ist. Langweilig wird's nicht. Bis zum nächsten Mal.

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