Dienstag, 13. Juni 2017

Landleben und Einblicke in die Nepalesische Landwirtschaft

Namasté, Die vergangene Woche erscheint mir ewig lange! Es ist auch dementsprechend viel los gewesen. Die ersten 3 Tage der vergangenen Woche hatte ich alle Hände voll zu tun, um mich auf den ersten "Feldbesuch" vorzubereiten. Es galt, den Fragebogen für die Bauern so anzupassen, dass er während dem Interview ausgefüllt werden konnte, letzte Besprechungen zu treffen, wie wir das Interview führen sollten und innert 2 Tagen einen Leitfaden für eine Fokusgruppendiskussion zu erstellen. Dazu vergrub ich mich in Literatur zu diesem Fokusdiskussionsthema, übrigens etwas sehr effektives und spannendes, wenn man qualitative Ergebnisse erhalten möchte. Am Donnerstag, 8. Juni ging es dann "endlich" los. Ich war froh, die Enge von Dailekh für 1 oder 2 Tage hinter mir zu lassen. Wir fuhren in einem Office vehicle in Richtung Surkhet. Rittha war unser erstes Ziel. Der Wagen fuhr über den "Highway" und hielt plötzlich neben einem Haus. Wir stiegen aus. Auf die Frage, wo wir denn seien, hiess es: "Beim ersten Farmer.". OK, da waren wir also. Wir wurden von einem Herrn herzlich willkommen geheissen und auf eine kleine Veranda vor dem Haus gebeten. Eine "Gundri" wurde ausgerollt. Dies ist eine traditionelle nepalesische Matte, geflochten aus Reis- oder Maisstängeln (bzw. Stroh). Wir setzten uns also da drauf und stellten uns vor (Asmita, Shilpa und ich). Einige Familienangehörige waren ebenfalls anwesend, zu trinken gab es nichts. Es war sehr warm, doch glücklicherweise ging ein Wind, der durch die nahestehenden Bäume strich. Das Interview dauerte, Übersetzung eingeschlossen, 3 Stunden. Also viel zu lange! Wir mussten unsere Taktik ändern. Das Interview wurde auf Nepali geführt. Ich verstand so viel, dass ich dem Fragebogen einigermassen folgen konnte, allerdings nicht den Antworten. Der Hof war schön gelegen, in mitten des Hügellandes. Soja wird auf abschüssigem Gelände (Hanglage) angebaut, alles ist Handarbeit! Vom Säen über ernten und jäten. Zudem hatte die Familie noch 2 Kühe und einen Büffel, einige Zitrusbäume standen auf dem Hof sowie ein Gemüsegarten, der die Familie mit Gemüse versorgte. Zudem gab es Hühner und Ziegen, die mal zwischendurch etwas von sich hören liessen (Gegacker bzw. Gemecker). Auch eine kleine Katze stattete uns einen Besuch ab. Nach dem Interview stärkten wir uns mit "zauzau", asiatischen kurzen Nudeln. ich war allerdings nicht sehr hungrig, da mir das Wetter etwas zu warm war. Inzwischen war es gegen 17 Uhr geworden und wir steuerten under Nachtquartir, Guranse, an. Wie bereits früher erwähnt, liegt dieses Dorf auf 2100 m.ü.m. Wir quartierten uns im Dorfhotel ein. Durch einen schummrigen Gang traten wir in einen Hinterhof, der den Blick auf die umliegenden Berge freigab. Eine schöne Abenstimmung herrschte. In Mitten des Hofes hockte eine Frau auf dem Boden und zerhackte ein Huhn. Ja, nicht grad sehr anschaulich! Mit einigen "hä, hä" schäuchte sie die neugierigen Artgenossen zur Seite und fuhr mit dem Zerhacken fort. Wir bezogen unsere Zimmer, in denen nichts weiter stand als 2 Betten. Toliette war angeschlossen, allerdings recht stark stinkend. Wir entschlossen uns auf einen "Abendspaziergang" zu gehen. Kaum hatten wir die Strasse überquert, stoppten wir wieder, erst ging man Tee trinken. Der Tee war schwarz, süss und mit Pfeffer, Kardamom und Ingwer abgeschmeckt. Danach ging es im Schlendrian-Tempo weiter den Hügel hinauf. Wir kehrten nach ca. 15 min wieder um, sehr zu meinem Leidwesen, aber was solls. Wir hatten uns umquartiert und wohnten jetzt für 2 Nächte im selben Teehaus, welches uns auf unseren vorherigen Durchfahrten immer so leckeren Milchtee serviert hatte. Das Zimmer war einfach, aber relativ sauber. Eine Plastik Gundri lag auf dem Boden, es gab aber warme Decken. Zum Abendessen gab es "local bhaale", lokales Suppenhuhn. Es schmeckte köstlich und wurde mit Reis und Gemüse serviert. Am nächsten Tag standen 5 Interviews und eine Fokusgruppendiskussion an. Doch zuerst machten wir einen "langen" Spaziergang und dies im wahrsten Sinne des Wortes! Wir gingen bis zur Distriktgrenze von Surkhet, die etwa eine halbe Stunde zu Fuss von Guranse liegt. Auf dem Weg sahen wir Aaru Pokhara Bäume (Pflaumen), Rhododendronbüsche, die die Hänge besetzten und viele Kartoffelfelder. In Guranse wird zudem sehr viel Gemüse produziert, das bis nach Indien geliefert wird. Auch Kaffee wird neulich angepflanzt, allerdings kein Tee. Woher der Name "Guranse Tee" kommt, den ich bereits mal gelesen hatte, ist mir schleierhaft. Die Interviews waren gut und verliefen in der geplanten Zeit von 2 h, wobei wir 2 Leute gleichzeitig interviewten. Bei der Fokusgruppendiskussion überraschte uns ein Platzregen und schäuchte uns in das Haus einer Bäuerin. Sie röstete Sojabohnen und der kleine Raum wurde voller Qualm. Das Ganze fand wiederum auf dem Boden statt (siten). Danach fuhren wir nach Guranse zurück (wir waren in Rittha) und stärkten uns mit Milchtee und Kichererbsensuppe. Danach ging es "off-road" und weg von der Strasse. Der Wagen hielt irgendwo im Nirgendwo. Es gäbe da einen "open ground", wo man gut spazieren könne. Nun, lasst uns diesen "open ground" entdecken! Es war eine offene Wiesenfläche, sehr kurz abgegrast, die von Wald umgeben war. Irgendwo im Gestrüpp hörte man die einsame Glocke einer Kuh, Vögel zwitscherten und die Grillen veranstalteten ihr übliches Abendkonzert, eine friedliche Stimmung lag über dem Ort. Ich erkundete diese Wiesenfläche mal auf eigene Faust und stellte fest, dass hie und da Felsen herumlagen, über die natürlich drüber balanciert werden musste. Hui, das war spannend. Danach gab es viele Photos mit den anderen beiden Frauen und der Mutter von Shilpa. Asmita erzählte mir, dass es auf der Lichtung ein leerstehendes Häuschen gäbe. Auch dieses musste entdeckt werden. So machte ich mich wieder alleine auf und, tatsächlich, fand ich es nach einigem Suchen. Der Eingang war offen, der Boden allerdings moos- und grasbewachsen. Ich entschloss mich, nicht hineinzugehen. Stattdessen ging ich um das Haus herum und blieb stehen, als ich Schritte hörte. Eine Frau kam des Weges und stellte ihren leeren Eimer ab. Sie hockte sich hin. Ich begrüsste sie auf Nepali: "Namasté". Sie antwortete und begann mich auszufragen. Natürlich waren meine Kenntnisse schnell erschöpft und da kam Shilpas Grossmutter zur Hilfe. Sie spricht zwar auch nur Nepali, konnte der Frau aber erklären, was ich ihr nicht erklären konnte. Die fremde Frau, oder Didi fragte mich, wie alt ich sei, woher ich komme, ob ich vereiratet sei und Kinder hätte. Naja, so gut es ging sprach ich etwas mit ihr und dann legten wir ein Stück des Heimweges zu Fuss gemeinsam zurück. Sie wohnt in einem kleinen Ort nicht weit von dieser Lichtung. Danach ging es zurück nach Guranse, Abendessen (local bhaale" der Rest davon, und dann ins Bett. Der nächste Morgen begann früh. Wir tranken Milchtee und assen Selrotti, ein ringförmiges Gebäck aus Ghee und Reismehl sowie Wasser. Frisch gebacken schmeckt es am köstlichsten! Rückfahrt nach Dailekh, faules Wochenende und nun erste Datenanalyse. Mal sehen, was es diese Woche spannendes gibt. Alla prossima.

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