Sonntag, 25. Juni 2017
Dailekh wird erkundet
Namasté,
Es ist Sonntagmittag, auf der Strasse herrscht das übliche Stimmengewirr des Dailekh Bazars, irgendwo hört man Musik, die Kinder sprechen Vokabeln den Lehrern in der Schule nach, die gleich über die Strasse liegt und ich sitze im Büro und habe frei. Schön, oder?
10 Tage Schreibstille, warum?
Nun, es ist allerhand los gewesen. Seit dem letzten Beitrag haben sich die Ereignisse überschlagen, deshalb das lange Schweigen, doch der Reihe nach.
In der Woche vom 12. Juni, diktierte mir Asmita die ersten 5 Interviews, die wir in Rittha gemacht hatten. Damit waren 2 Tage vergangen. Des Weiteren begann ich, an meiner Arbeit so wirklich zu schreiben, das Quellenverzeichnis azulegen und weiterhin Literatur zu lesen.
Dazu gesellte sich eine heftige Diskussion, wer denn für meine Arbeit verantwortlich war. Im Helvetasbüro in Dailekh sind 2 Projekte untergebracht: Good Governance und ein Projekt, welches die Entwicklung eines besseren landwirtschaftlichen Dienstleistungssystems unterstützt. Wer genaueres wissen möchte, darf gerne googeln.
Nun, die Verantwortungen waren nicht wirklich geklärt, beide Projektkoordinatoren überlastet und niemand hatte Zeit, mit Asmita und mir ins Feld zu kommen. Schliesslich konnte allerdings doch eine zweite Interviewsession in Toli, etwas nördlich von Dailekh in Richtung Jumla, festgelegt werden.
Die Strasse endet in Toli:
Am 16. Juni brachen Asmita und ich, mit Fragebögen ausgerüstet, nach Toli auf. Es war gegen 8 Uhr morgens und versprach ein schöner und heisser Tag zu werden. Das Vehicle, das wir für diese Fahrt angefragt hatten, hollperte aus dem Bazar hinaus und folgte ein Stück weit der "guten" Strasse, bevor es links weg abbog, in einen Wald, der von Lichtungen, Feldern und einzelnen kleinen Dörfern durchbrochen wurde. Die Strasse wurde holprig, sehr holprig, die Räder glitten fast auf dem staubigen Gestein aus, der Wagen ruckelte über Wurzeln und die Äste der nahestehenden Bäume streiften die Autoscheiben. Wir fuhren irgend was um die 30 km / h.
Die Strasse schlängelte sich durch die nepalesische Hügellandschaft und wir erreichten schlussendlich Toli. Die Strasse war staubig und führte zwischen 2 Häuserreihen, links und rechts des Weges durch. Danach hörte der Weg auf bzw. war nicht mehr mit dem Auto passierbar. Zumindest für meinen Geschmack nicht.
Wir stiegen aus und wurden vom "Field Coordinator" von Toli in Empfang genommen und in ein kleines Büro geführt. Die Häuser hier bestehen aus Lehm und Steinen, sind aber während der Tageshitze angenehm kühl. Der Boden war von einem Plastik bedeckt, ein Holztisch stand in der Mitte des Raumes und Gartenstühle aus Plastik dienten als Sitzgelegenheit. An den Wänden einiges Gerümpel. Schweigen, als wir uns an den Tisch setzten.
ich dachte erst, wir seien nur zu dritt (field coordinator, Asmita und ich). Allerdings stellte sich heraus, dass noch einige Leute mehr am Tisch sassen, deren 2. Wir stellten uns vor und trugen unser Anliegen vor. Es sei möglich, 5 bis 7 Interviews und eine Fokusgruppendiskussion zu machen, sagte der Field Coordinator. OK.
Danach gab es Daalbhaat und anschliessend folgte die erste Interviewserie. Eine Dame, Health Assistent im Dorf, begleitete uns. Das Dorf wirkte ausgestorben, es waren nicht viele Leute da. Eine Frau trieb ihre Ziegen, Küe und einen Büffel in den Wald zur Weide.
Wir gingen die staubige Strasse entlang und bogen schräg nach rechts oben ab. Der Feldweg führte den Hügel hinauf, vorbei an Lehmhäusern, Maisfeldern und einigen grasbewachsenen Felsen. Der Fels hier ist sehr kalkig, staubig. Er erinnerte mich fast an Sandstein.
Wir erreichten das erste Haus, in dem wir Interviews machen würden. Doch die Leute in Toli waren nicht sehr gesprächig. Das Interview dauerte lange und die Leute gaben Informationen nicht leicht preis.
So ging es mit dem 3 und 4. Interview weiter und eine Dame verliess mitten im Interview den Platz. Sie müsse nach Hause, da sie zu viel Arbeit habe.
Ja, wir erfuhren, dass wir an einem schlechten Zeitpunkt gekommen waren. Das ganze Dorf war bei der Reispflanzung. Erlichgesagt hatte ich das vergessen / nicht miteinberechnet.
Naja, schlussendlich kamen 5 relativ gute Interviews zustande. Aber wir sollten am nächsten Tag zurück nach Dailekh, da eine Fokusgruppendiskussion unwahrscheinlich war und die Bauern zudem Sojabohnen nur für den Eigenkonsum produzierten.
Das nächste Dorf, das Sojabohnen im grösseren Stil anbaut, wäre 3 h zu Fuss entfernt gewesen, der Weg dorthin sei allerdings "zu schwierig, wenn man nichts sieht." Ich quittierte das mit einem Stirnrunzeln, meine Einwände halfen nichts. OK, accepté.
Nach einem guten Abendessen (Daalbhaat) und einer von Mücken- und Fliegengesumme erfüllten Nacht, kehrten wir nach Dailekh zurück, nachdem wir am Samstag, 17. Juni einen kleinen Morgenspaziergang in Toli gemacht hatten. Wir waren unter ständiger Beobachtung der Dorfkinder!
Am Sonntag, 18. Juni, kam mein Supervisor der HAFL, ehemaliger Dozent für Extension und Rural Development, zu Besuch.
Es wurden einige Dinge besprochen, von der Wohnsituation, über den relativ geringen "Ausgang" bishin zur Bachelorarbeit.
Verantwortungen für die Arbeit wurden geklärt und wir haben nun die Aufgabe, mindestens 3 Mal in der Woche spazieren zu gehen, juuu!
Eine dritte Interviewsession am 19. Juni und 21. Juni in Lakuri folgte. Diese war mit Abstand die Beste! Lakuri befindet sich südlich von Dailekh in einer Terassenlandschaft, in der die Bauern Mais, Reis, manchmal Hirse, Sojabohnen, Gemüse und Orangen / Kardamom anbauen. Dies alles auf sehr geringem Bodenmaterial, 10 bis 20 cm Humus danach derselbe Kalkstein wie in Toli. Es ist unglaublich, wie die Leute hier jeden auch noch so gering fruchtbaren Boden nutzen, um Lebensmittel anzubauen.
Die Leute in Lakuri waren um einiges gesprächiger und auch hier wurden wir köstlich bewirtet mit Daalbhaat, frischem Jogurt, local Bhaale, Rettichsuppe und reich beschenkt mit Chichinda (Snakegard) und beim zweiten Mal sogar mit Sojabohnen.
Diese rösteten wir in Dailekh. Sie werden wie Erdnüsse gegessen oder mit Chilli und Zwiebeln serviert.
Nun, alle 17 Interviews in Dailekh mit den Farmern sind nun zu Ende. Doch es werden noch Interviews mit Händlern und Verarbeitern in Dailekh / Surkhet folgen sowie Interviews mit Bauern, Verarbeitern und Händlern über Linsen. Die Entdeckungsreise ist noch nicht abgeschlossen!
Lakuri ist eine sehr wasserarme Gegend. Es gab zwar mal ein Wassersystem, welches jedoch zusammenbrach und niemand repariert es. Bei einem Hof müssen die Leute 1 bis 2 km zu Fuss gehen und Wasser heranschleppen. Auch hier in Lakuri wird alles von Hand gemacht, Feldarbeit, Kleiderwaschen etc. Die Strasse ist auch hier steinig und staubig, Regen ist bitternötig. Doch der Monsun verspätet sich.
Doch seit einigen Tagen regnet es bei Nacht und morgens treiben feuchte Nebel in die Räume, wenn man das Fenster öffnet.
Ganz vergessen habe ich den Besuch auf einer horticultural farm. Auch dieser statteten wir zusammen mit dem Büroteam und dem HAFL-Dozenten einen Besuch ab. Später, vergangenen Freitag, wohnten Asmita und ich einem Training von Farmern über Orangen und Gemüse bei. Da sah ich auch zum ersten Mal einen Kiwibaum! Ein sehr interessantes Rankengewächs.
So, nun hab ich genug erzählt und das ist auch alles, was die vergangenen 10 Tage geschehen ist. Langweilig wird's nicht.
Bis zum nächsten Mal.
Dienstag, 13. Juni 2017
Landleben und Einblicke in die Nepalesische Landwirtschaft
Namasté,
Die vergangene Woche erscheint mir ewig lange! Es ist auch dementsprechend viel los gewesen.
Die ersten 3 Tage der vergangenen Woche hatte ich alle Hände voll zu tun, um mich auf den ersten "Feldbesuch" vorzubereiten. Es galt, den Fragebogen für die Bauern so anzupassen, dass er während dem Interview ausgefüllt werden konnte, letzte Besprechungen zu treffen, wie wir das Interview führen sollten und innert 2 Tagen einen Leitfaden für eine Fokusgruppendiskussion zu erstellen.
Dazu vergrub ich mich in Literatur zu diesem Fokusdiskussionsthema, übrigens etwas sehr effektives und spannendes, wenn man qualitative Ergebnisse erhalten möchte.
Am Donnerstag, 8. Juni ging es dann "endlich" los. Ich war froh, die Enge von Dailekh für 1 oder 2 Tage hinter mir zu lassen.
Wir fuhren in einem Office vehicle in Richtung Surkhet. Rittha war unser erstes Ziel. Der Wagen fuhr über den "Highway" und hielt plötzlich neben einem Haus. Wir stiegen aus. Auf die Frage, wo wir denn seien, hiess es: "Beim ersten Farmer.". OK, da waren wir also.
Wir wurden von einem Herrn herzlich willkommen geheissen und auf eine kleine Veranda vor dem Haus gebeten. Eine "Gundri" wurde ausgerollt. Dies ist eine traditionelle nepalesische Matte, geflochten aus Reis- oder Maisstängeln (bzw. Stroh). Wir setzten uns also da drauf und stellten uns vor (Asmita, Shilpa und ich). Einige Familienangehörige waren ebenfalls anwesend, zu trinken gab es nichts.
Es war sehr warm, doch glücklicherweise ging ein Wind, der durch die nahestehenden Bäume strich. Das Interview dauerte, Übersetzung eingeschlossen, 3 Stunden. Also viel zu lange! Wir mussten unsere Taktik ändern. Das Interview wurde auf Nepali geführt. Ich verstand so viel, dass ich dem Fragebogen einigermassen folgen konnte, allerdings nicht den Antworten.
Der Hof war schön gelegen, in mitten des Hügellandes. Soja wird auf abschüssigem Gelände (Hanglage) angebaut, alles ist Handarbeit! Vom Säen über ernten und jäten. Zudem hatte die Familie noch 2 Kühe und einen Büffel, einige Zitrusbäume standen auf dem Hof sowie ein Gemüsegarten, der die Familie mit Gemüse versorgte. Zudem gab es Hühner und Ziegen, die mal zwischendurch etwas von sich hören liessen (Gegacker bzw. Gemecker). Auch eine kleine Katze stattete uns einen Besuch ab.
Nach dem Interview stärkten wir uns mit "zauzau", asiatischen kurzen Nudeln. ich war allerdings nicht sehr hungrig, da mir das Wetter etwas zu warm war.
Inzwischen war es gegen 17 Uhr geworden und wir steuerten under Nachtquartir, Guranse, an. Wie bereits früher erwähnt, liegt dieses Dorf auf 2100 m.ü.m. Wir quartierten uns im Dorfhotel ein. Durch einen schummrigen Gang traten wir in einen Hinterhof, der den Blick auf die umliegenden Berge freigab. Eine schöne Abenstimmung herrschte. In Mitten des Hofes hockte eine Frau auf dem Boden und zerhackte ein Huhn. Ja, nicht grad sehr anschaulich!
Mit einigen "hä, hä" schäuchte sie die neugierigen Artgenossen zur Seite und fuhr mit dem Zerhacken fort.
Wir bezogen unsere Zimmer, in denen nichts weiter stand als 2 Betten. Toliette war angeschlossen, allerdings recht stark stinkend. Wir entschlossen uns auf einen "Abendspaziergang" zu gehen.
Kaum hatten wir die Strasse überquert, stoppten wir wieder, erst ging man Tee trinken. Der Tee war schwarz, süss und mit Pfeffer, Kardamom und Ingwer abgeschmeckt. Danach ging es im Schlendrian-Tempo weiter den Hügel hinauf. Wir kehrten nach ca. 15 min wieder um, sehr zu meinem Leidwesen, aber was solls.
Wir hatten uns umquartiert und wohnten jetzt für 2 Nächte im selben Teehaus, welches uns auf unseren vorherigen Durchfahrten immer so leckeren Milchtee serviert hatte. Das Zimmer war einfach, aber relativ sauber. Eine Plastik Gundri lag auf dem Boden, es gab aber warme Decken.
Zum Abendessen gab es "local bhaale", lokales Suppenhuhn. Es schmeckte köstlich und wurde mit Reis und Gemüse serviert.
Am nächsten Tag standen 5 Interviews und eine Fokusgruppendiskussion an. Doch zuerst machten wir einen "langen" Spaziergang und dies im wahrsten Sinne des Wortes! Wir gingen bis zur Distriktgrenze von Surkhet, die etwa eine halbe Stunde zu Fuss von Guranse liegt. Auf dem Weg sahen wir Aaru Pokhara Bäume (Pflaumen), Rhododendronbüsche, die die Hänge besetzten und viele Kartoffelfelder. In Guranse wird zudem sehr viel Gemüse produziert, das bis nach Indien geliefert wird. Auch Kaffee wird neulich angepflanzt, allerdings kein Tee. Woher der Name "Guranse Tee" kommt, den ich bereits mal gelesen hatte, ist mir schleierhaft.
Die Interviews waren gut und verliefen in der geplanten Zeit von 2 h, wobei wir 2 Leute gleichzeitig interviewten.
Bei der Fokusgruppendiskussion überraschte uns ein Platzregen und schäuchte uns in das Haus einer Bäuerin. Sie röstete Sojabohnen und der kleine Raum wurde voller Qualm. Das Ganze fand wiederum auf dem Boden statt (siten).
Danach fuhren wir nach Guranse zurück (wir waren in Rittha) und stärkten uns mit Milchtee und Kichererbsensuppe. Danach ging es "off-road" und weg von der Strasse. Der Wagen hielt irgendwo im Nirgendwo. Es gäbe da einen "open ground", wo man gut spazieren könne.
Nun, lasst uns diesen "open ground" entdecken! Es war eine offene Wiesenfläche, sehr kurz abgegrast, die von Wald umgeben war. Irgendwo im Gestrüpp hörte man die einsame Glocke einer Kuh, Vögel zwitscherten und die Grillen veranstalteten ihr übliches Abendkonzert, eine friedliche Stimmung lag über dem Ort.
Ich erkundete diese Wiesenfläche mal auf eigene Faust und stellte fest, dass hie und da Felsen herumlagen, über die natürlich drüber balanciert werden musste. Hui, das war spannend. Danach gab es viele Photos mit den anderen beiden Frauen und der Mutter von Shilpa.
Asmita erzählte mir, dass es auf der Lichtung ein leerstehendes Häuschen gäbe. Auch dieses musste entdeckt werden. So machte ich mich wieder alleine auf und, tatsächlich, fand ich es nach einigem Suchen. Der Eingang war offen, der Boden allerdings moos- und grasbewachsen. Ich entschloss mich, nicht hineinzugehen. Stattdessen ging ich um das Haus herum und blieb stehen, als ich Schritte hörte.
Eine Frau kam des Weges und stellte ihren leeren Eimer ab. Sie hockte sich hin. Ich begrüsste sie auf Nepali: "Namasté". Sie antwortete und begann mich auszufragen. Natürlich waren meine Kenntnisse schnell erschöpft und da kam Shilpas Grossmutter zur Hilfe. Sie spricht zwar auch nur Nepali, konnte der Frau aber erklären, was ich ihr nicht erklären konnte.
Die fremde Frau, oder Didi fragte mich, wie alt ich sei, woher ich komme, ob ich vereiratet sei und Kinder hätte. Naja, so gut es ging sprach ich etwas mit ihr und dann legten wir ein Stück des Heimweges zu Fuss gemeinsam zurück. Sie wohnt in einem kleinen Ort nicht weit von dieser Lichtung.
Danach ging es zurück nach Guranse, Abendessen (local bhaale" der Rest davon, und dann ins Bett.
Der nächste Morgen begann früh. Wir tranken Milchtee und assen Selrotti, ein ringförmiges Gebäck aus Ghee und Reismehl sowie Wasser. Frisch gebacken schmeckt es am köstlichsten!
Rückfahrt nach Dailekh, faules Wochenende und nun erste Datenanalyse.
Mal sehen, was es diese Woche spannendes gibt.
Alla prossima.
work and experiences in Nepal: ÖV System zum Zweiten und Kleinigkeiten
work and experiences in Nepal: ÖV System zum Zweiten und Kleinigkeiten: Namasté, 18 Uhr Ortszeit und ein Sommergewitter mit heftigem Regen geht über Dailekh nieder. Es hatte bereits vergangene Nacht geregnet, na...
Montag, 5. Juni 2017
ÖV System zum Zweiten und Kleinigkeiten
Namasté,
18 Uhr Ortszeit und ein Sommergewitter mit heftigem Regen geht über Dailekh nieder.
Es hatte bereits vergangene Nacht geregnet, nachdem die vergangenen 2 Tage drückend heiss gewesen waren.
Ich verbrachte das Wochenende wiederum in Surkhet bei der Familie meiner Bahini und möchte euch noch etwas genauer übers Nepalesische Bussystem berichten.
Am Freitag, 02. Juni, fuhren wir am Nachmittag nach Surkhet. Das Wetter war bereits sehr warm und ich gönnte mir noch einen Kaffee, bevor wir den Bus nahmen. Das funktionierte folgendermassen.
Debu Didi hatte uns einen Bus herausgesucht / sich erkundigt. Dieser fuhr um 13 Uhr, nahe beim Office. Wir gingen also um 12:45 h dorthin und stzten und auf eine Bank, um zu warten. Warten mussten wir hier glücklicherweise nicht lange. Ein Fahrer war bald da und wir bestiegen den kleinen, engen Bus mit einer grossen Tasche, die unsere Habseeligkeiten beinhaltete. Nach einigem Hin und Her ging die Fahrt los. Es waren 2 Fahrer dabei.
Der eine Dai fuhr, der andere Dai klopfte in einer bestimmten Code-Sprache auf die Autohaube und rief: "Ah, Surkhet, Durkhet!". Das Gefährt rollte langsam die holprige Dorfstrasse entlang und ich hatte das Gefühl, dem Ton nach müsse sich der Beifahrer ziemlich weit aus dem Auto gelehnt haben oder irgendwie auf dem Trittbrett mitfahren, denn die Stimme kam immer wieder von aussen. Es stiegen auch immer mehr Leute ein.
Wir erreichten den Busparkplatz und warteten ca. 30 min dort, bevor die Fahrt wirklich losging. Es war sehr heiss und die Enge im Bus trug nicht gerade zu einer angenehmen Fahrtatmosphäre bei. Nun, endlich ging die Fahrt los. Der Beifahrer Dai klopfte 4 mal "bum bum, bum bum" auf die Autohaube und es ging los. Unterwegs stiegen noch einige Kinder zuderen Mutter den Fahrer warnte, dass ihnen schlecht werden würde. Oh, was für ein Vergnügen! ...
Da die Fenster offen waren, kam zumindest frische, aber staubige Luft hinein, was die Fahrt etwas erfrischender machte. Ich freute mich auf Gruanse, ist es doch dort oben immer angenehm kühl (für Schweizer Verhältnisse), für Nepalesische kalt (wenn man aus Surkhet kommt).
Einmal klopfen auf die Fahrerhaube heist "halt". So stiegen hie und da Leute ein und aus und wir erreichten Surkhet nach 3.5 h Fahrt.
Wenn man nach Guranse in Richtung Surkhet Valley hinunterfährt, geht es zuerst in einen Wald. Grillen zirrpten und wir hielten, um einen "Toilettenhalt" einzulegen. Dann ging die Fahrt weiter und nach dem Wald und einigen Kurven breitete sich das Tal rechts von uns aus. Es ist bewaldet und breit, man sieht Häuser und den Fluss, der durchs Tal fliesst. (Beschreiung von Asmita).
Surkhet empfieng uns tropisch feucht und heiss! Die Hitze erschlug uns fast. Wir gingen zu Asmitas Haus und ich lernte auch noch ihre Grossmutter (Hajur Ama" kennen. Sie trug einen Doti (Wickelrock), üblich für traditionell gekleidete, ältere Frauen in Nepal.
Wir stärkten uns mit Mango und Aaru Pokhara (Pflaumen) und ruhten uns aus. Asmitas Mutter kam spät und holte sich eine Schimpftirrade ihrer Tochter ein, denn Frauen kommen nicht nach 8 Uhr Abends nach Hause, normalerweise, und informieren ihre Familienangehörigen, wo sie sind und wann sie kommen.
Nun, Asmitas Mutter hatte es eben diesmal vergessen. Für mich nicht sehr schlimm, für Asmita ein Grund zur Schelte.
Wir assen Daalbhaat und legten uns alsbald schlafen.
Ich verbrachte eine schlechte Nacht, nicht nur wegen der Hitze, auch wegen des lauten Hundegebells, das mich um 4 Uhr morgens aus dem Schlaf riss und bis 5 Uhr andauerte. Danach war an Schlaf nicht mehr wirklich zu denken.
Asmita lernte den ganzen Tag immer wieder einmal, wir tranken Tee zum Frühstück und es gab wieder Daalbhaat mit Ziegenfleischsuppe. Als Zwischenmalzeit gab es Ziegenfleischmomos, die in einer Suppe gekocht worden waren.
Alles sehr lecker, doch etwas viel bei dieser Hitze! Naja.
Des Nachmittags taten wir nicht viel anderes, als Siesta zu machen. Es war einfach zu heiss draussen. Abends dann kühlte es ab und wir machten uns auf zum Bazar, um Gemüse und noch einige andere Kleinigkeiten einzukaufen.
Dabei lernte ich "daude", ein nepalesisches Gemüse kennen, dessen Deutschen Namen ich nicht weiss. Es ist grün, aber gerollt wie eine Krevette. Ja, das ist die naheste Beschreibung, die mir in den Sinn kommt. Schmecken tut das Ganze aber wie Gemüse! Keine Sorge :-).
Den folgenden Tag verbrachten wir ähnlich, aber mit dem Unterschied, das Asmita eine Prüfung hatte und nicht viel schlief in der Nacht auf den Sonntag. ich blieb mit ihrer Mutter zu Hause und hatte die Gelegenheit mein Nepali in die Tat um zu setzen. Ire Mutter spricht kein Englisch, doch ich war überrascht, wie gut wir uns verstanden. Das relativ intensive Nepali-Studium neben der Schule in der Schweiz hatte sich also gelohnt.
Nach dem Essen machten wir uns langsam bereit, wieder nach Dailekh zu fahren und nahmen den Bus um 14 Uhr.
Dieses Mal allerdings, liess uns der Busfahrer 45 min in der Hitze stehen. Er tauchte einfach nicht auf. Die Fahrgäste wurden ungeduldig. Es war drückend heiss und er kam und kam nicht. Dann, endlich, ging es los. Der Fahrer hielt aber einige Minuten später wieder, aus unerklärlichen Gründen, und so ging es weiter bis nach Guranse. Dort legten wir einen Tee-Stop ein, doch weder Asmita, noch ich hatten lust, auszusteigen.
Danach schlief ich immer wieder ein und wir erreichten nach 4 Stunden endlich Dailekh, staubig, müde und verschwitzt.
Hier kann wirklich die Geste "sich den Reisestaub vom Gesicht waschen" verwendet werden! Glücklicherweise trugen wir eine Maske, welche unsere Lungen vor dem Gröbsten Staub verschonte.
Vergangene Woche tat ich nicht viel Spezielles, ausser meine verbleibenden 4 Monate zu planen und Literatur zu lesen.
Diese Woche wird es am Freitag, 9. Juni, mit den Interviews endlich losgehen! Eine letzte Besprechung heute und eine letzte Anpassung des Fragebogens, sowie die Erstellung eines answer Sheets für die Analyse stehen noch an.
Ansonsten regnet es jetzt immernoch und wir sehen, wie das Wetter die Woche wird.
Grüsse und bis nächste Woche.
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