Montag, 29. Mai 2017
ÖV System in Nepal und bald schon einen Monat im Lande
Liebe Leser
Ich versuche mal, in umgekehrt chronologischer Reihenfolge, was für ein schön kompliziertes Wort, meine Erlebnisse seit dem letzten Blogeintrag zusammenzufassen.
Ich glaube, ich habe beim Tempel Sristan, Navistan aufgehört.
Nun, einige Nachträge:
Sristan und Navistan sind laut Legende Orte, wo Teile von Shiwa Jees erster Frau, Sati Devi, begraben lieen. Heisser Dampf / Flammen (Erdgas) dringt aus dem Gestein und die Einheimischen verehren diese Plätze bereits seit 200-300 Jahren.
Sristan ist von Bananenbäumen umschattet, was mich irgendwie ans Buch "sidhartha" von Hermann Hesse erinnerte, wo Sidhartha unter irgendwelchen Bäumen, evtl. waren es Bananenbäume, weiss das nicht mehr so genau, meditierte. Anyway, Navistan ist von Mangobäumen beschattet und dort befindet sich auch der "weltgrösste Baum". Ein unglaubliches Gebilde aus Wurzeln und ein gigantischer Stamm.
Auch zu diesem Baum kommen viele Hindus, da die Äste des Baumes auf einer gewissen Höhe das Bildnis der Göttin Ganesha bilden, auf natürliche Weise.
Nun, nachdem wir diese Orte besichtigt hatten, mit unseren Office-Mitarbeiterinnen, genossen wir Momos in Dailekh.
Die vergangene Woche gestaltete sich sehr arbeitsintensiv, mit viel Lesen für die Arbeit und Anpassung des Fragebogens. Leider, Bewegung war nicht viel dabei. Abendspaziergänge, trotz schönem Wetter, gestalteten sich selten.
Ich habe herausgefunden, dass Abendspaziergänge hier eher von Kindern und Männern gemacht werden. Die Frauen seien zu beschäftigt mit kochen. Überhaupt hört man zwischen 18 und 20 h Lokalzeit das Zischen von Dampfkochtöpfen, in denen Daal zubereitet wird, es brutzelt und brät in den Küchen und man hört hauptsächlich viele Kinder draussen. Naja, damit muss ich mich abfinden. Heisst auch, dass ich vom Dorf selbst nicht viel berichten kann.
Es ist ein Strassendorf, durch welches sich eine Hauptstrasse zieht, mal gepflastert, mal weniger. Autos bahnen sich fröhlich hupend einen Weg durch auf der Strasse spielende Kinder und anderen Fussgängern. Mopeds brausen durch und hupen ebenfalls lautstark. Also auch etwas lärmig, wenn auch weniger als Kathmandu.
Die Abende verbringen wir, wenn nicht auf Abendspaziergängen, im Büro, sitzen auf Mudas (kleine Hocker aus Bambus geflochten" und die Frauen schwatzen auf Nepali.
Nun, mit meinen Sprachkenntnissen ist es noch nicht sehr gut bestellt und deshalb höre ich einfach zu.
Abwechslung brachte der Bsuch von 2 Helvetasmitarbeitenden am Montag vor einer Woche und am Samstagmorgen (vorgestern). Vergangenen Montag kam der International Programme Advisor, ein Schweizer, und seine Nachfolgerin, eine Schweizer Britin (Doppelbürgerin) zu uns auf Besuch. Es war eine schöne Begegnung und gekocht wurde dementsprechend.
Vergangenen Samstag hatten wir 2 Leute von Jumla (Distrikt in den high hills Nepals) zu Besuch. Sie luden mich herzlich ein, Jumla einen Besuch abzustatten. In Jumla gibt es Äpfel! Wer weiss, vielleict reicht die Zeit, um nach Jumla zu reisen und die "Jumlabohne", eine lokale Bohnenart, auch noch zu analysieren. Gekostet hatte ich sie bereits einmal, sehr lecker.
Und nun sind wir wieder beim Essen :-). Ja, die Nepalesische Küche lässt sich wirklich sehen. Dieses Wochenende (27., 28. Mai) war ich in Surkhet und besuchte die Familie mit Asmita, meiner Assistentin / Bahini.
Surkhet befindet sich im gleichnahmigen Surkhetvalley, auf dem Grund eines breiten Tales. Das Klima ist wärmer und sehr feucht. Es regnete, als wir ankamen.
Um nach Surket zu kommen, nahmen wir einen "public Bus", ein klappriges Gefährt, welches sehr eng ist und nicht viel Beinfreiheit bietet, zumindest für europäische Verhältnisse. Es ging los, über die altbekannten hokannten, holprigen Strassen, erst im Schritttempo, dann etwas schneller. Auf dem Weg hielten uns Leute an, die "Kaffel", bräunlich rötliche Steinfrüchte, verkauften und ein ander Mal hielt uns eine Horde Kinder an, die Pflaumen verkauften.
"Oh, aaru pokhara", riefen die Kinder, und streckten ihre Hände durch die offenen Busfenster, um uns ihre Früchte (Pflaumen) zu verkaufen. Der Fahrer wurde ungehalten und fuhr langsam weiter.
Wir überquerten die Hügelkette von Guranse (2100 m.ü.m) und kamen runter ins Surkhetvalley.
Hier stärkten wir uns erst mit "Paani Puri". Dies ist eine pastetenartige Malzeit, die mit einer Suppe aus Erbsen und Kartoffeln, abgeschmeckt mit Zitronensaft und Chilli, gegessen wird. Es ist ein etwa mundgrosses Schälchen aus fritiertem Teig, das mit dieser Suppe gefüllt und dann ganz in den Mund gestopft wird. Eine etwas schwierige Angelegenheit, um sich nicht zu beflecken, aber sehr lecker. Zum Nachtisch konnte ich das erste Mal Zuckerrohrsaft probieren! Es ist, wie gesagt, sehr zuckrig und schmeckt etwas nach Pflanzensaft. Ein etwas gewöhnungsbedürftiger Geschmack, aber lecker.
Danach fuhren Asmita und ich zu ihrem Elternhaus, mit einer Motorriksha. Doch erst holte sie Milch in einer Molkerei. Die Milch wird hier in Plastiktüten abgefüllt, die mit einem Knoten verschlossen sind.
Wir erreichten Asmitas Haus, das in einem wunderschön, mit Blumen und Obstbäumen sowie Gemüsebeeten besetzten Garten liegt. Das Haus ist sehr alt und eine "halsbrecherische Treppe", wäre da nicht ein Geländer, führt zu den Wohnräumen, die an eine Art Balkon grenzen.
Die Einrichtung ist einfach, auf dem Boden liegen Decken und Teppiche. Man zieht die Schuhe aus, bevor man ins Haus geht. Ein Raum diente als Fernseh, Aufenthalts- und Schlafraum.
Asmitas Zimmer war klein und bot einigen Regalen und einem Bett gerade genug Platz. Die Küche befindet sich unten im Garten, ebenso Toilette und ein weiteres Wohnzimmer. Die Küche war warm und gemtlich, Kissen lagen auf dem Boden, gewaschen und Gemüseschneiden fand auf dem Boden statt, gekocht wurde auf einem Gasherd. Es gab zwar einen Tisch, doch an dem hockte ich nicht lange. Ich setzte mich auf den Boden.
Asmitas Mutter nahm mich gastfreundlich auf und servierte uns Milchtee (mit schwarzem Pfeffer, Kardamom und Ingwer sowie Zucker) abgeschmeckt. Danach Geplauder und Ein Spaziergang durch den Garten und raus, eine Eukalyptusallee entlang. Eukalyptusbäume sind riesig!
Weiter gings bei Regierungsgebäuden der Lokalregierung vorbei und an einem Tempel von Durga Matha vorbei. Religiöse Musik wurde in voller Lautstärke gespielt und 2 kleine Kinder tanzten im Spiel im Tempelareal. Wir besuchten den Tempel und gingen danach zurück zum Abendessen.
Den Sonntag verbrachten wir mit Essen (Frühstück) und einer 2-stündigen Wartezeit auf den Bus. Der Bus hier ist nicht unbedingt pünktlich, doch sogar 2 Stunden ist den Nepali zu viel. Unsere dritte Mitreisende, Shilpa, die auch im Office arbeitet und persönlich in Surkhet zu tun hatte, organisierte ein Office-Vehicle von Helvetas, das uns nach Dailekh bringen würde.
Dieses Mal hielten wir in Guranse und tranken wieder Milchtee. Die Milch hier oben ist frisch und sahnig, so etwa, wie Milch von der Alp oder generell frisch gemolkene Milch. Wir kauften auch Jogurt, das auch in einer Plastiktüte abgepackt wurde und einen "local bhale" Hahn, den wir zum Abendessen kochen würden. Das Tier wurde sogleich, frisch, geschlachtet. Naja, etwas gewöhnungsbedürftig, aber immerhin war das Fleisch frisch. Es landete ohnehin in Debu Didis Dampfkochtopf.
So, nun sind wir im "Heute" angelangt. Das erste Pretest-Interview stand an, welches fast 3 Stunden dauerte. Ich erhielt allerdings gute Antworten und freue mich, mit der Datenerhebung beginnen zu können. Leider immernoch keinen Abendspaziergang...
So, ich hör mal auf, zu "motzen".
Schöne Grüsse und bis bald.
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