Mittwoch, 2. August 2017
Arbeit in Kathmandu
In Kathmandu verbrachte ich etwas mehr als eine Woche, vom 20. Juli bis zum 29. Juli.
Der Grund für diesen Aufenthalt war die Verlängerung meines Touristenvisas. Dies verband ich allerdings zusätzlich mit einigen anderen Dingen.
So wurde im Helvetasbüro die aktuelle Lage (der aktuelle Stand) der Arbeit besprochen und weiter geplant. Allerdings umfasste diese Angelegenheit nur 2 Tage. 2 weitere Tage lag ich flach im Bett, da ich mir eine Magenverstimmung eingefangen hatte (diesmal keine Ahnung wovon) und ein dritter Tag wurde für die Erholung benötigt.
Dann war da noch das Wochenende vom 22. und 23. Juli, welches wir (meine Mitstudentin Tabea, Asmita und ich) für die Erkundung von Kathmandu nutzten.
Wir verbrachten unseren Aufenthalt im Dev Guesthaus im Jhamsikhel, einer aufstrebenden Touristengegend von Kathmandu. Allerdings ist dies nicht Downtown Kathmandu, sondern Lalitpur. Es gibt allerlei Kaffees und Bäckereien! Oh, wie lecker war dann der erste "richtige" Espresso des Himalayan Java Cafés, den ich zusammen mit einem Schokomuffin genoss:-).
Am Sonntag, 23. Juli, besuchten Tabea und ich das Theater von Yubaraj Dai (Shilpee Theatre) und verbrachten 2 sehr interessante Stunden mit der Theaterbesichtigung und einem langen Gespräch beim Tee.
Das Theater ist ziemlich zentral in Kathmandu, sehr bunt gestaltet und beherbergt 200 Sitzplätze. Die Bühne ist ebenerdig, nur ein kleines Podest ist vorhanden, um die Kulisse zu variieren. 5 Seiteneingänge führen jeweils links und rechts von der Bühne ab.
Oberhalb des Theaters befinden sich ein Büro, eine kleine Bibliothek, eine kleine Küche sowie ein kleines "Hosten =Internat" für Vollzeittheaterstudenten. Das Theater bietet 3-monatige Kurse an und auch Vollzeitausbildungen, unter Anderem auch teils mit internationalen Studenten etc.
Am Samstag, 29. Juli flogen Asmita und ich ins feuchte Nepalgunj zurück, Tabea war bereits 2 Tage zuvor nach Okhaldhunga zurückgereist.
Soviel zu dieser Woche.
Sonntag, 23. Juli 2017
Die Reise auf der Spur der Sojabohnen und der Linsen geht weiter
Liebe Leserinnen
Ich hab mich wegen vielem Unterwegssein und viel Erlebtem in letzter Zeit nicht gemeldet, maf garnu hola.
Woche vom 4. Juli bis zum 10 Juli
Aufbruch von Dailekh. Wir hatten die Farmerinterviews im Distrikt Dailekh beendet und wandten uns nun den Händlern und Verarbeitern von Sojabohnen zu. Dies hiess, dass wir in südlicher Richtung nach Surkhet aufbrachen.
Surkhet ist ein weiterer Distrikt, der vor allem als Umschlagplatz von Waren zwischen Hügel und Tarai dient. Asmita und ich verbrachten eine Woche in Surkhet, um mit Händlern von Sojabohnen Interviews zu machen.
Bevor wir jedoch am 4. Juli von Dailekh aufbrachen, galt es, sämtliche Interviewpapers auszudrucken, die richtige Anzahl zu berechnen und sicherzustellen, das ja die richtige Version der Interviews auf Papier gedruckt wurde. Leider unterliefen da einige Fehler, wie sich später herausstellen sollte. Sei das Kommunikationswegen oder irgendwie, ich weiss nicht, wie dieser Fehler unterlaufen ist. Naja, dazu später noch mehr.
Wir brachen also mit Sack und Pack nach Surkhet auf und erkundigten uns auf dem Weg in Godabas und Taal Pokhari, 2 Orten, wo die Bauern Sojabohnen hinliefern, sowie in Chupra nach Händlern von Sojabohnen in Surkhet. Die Händler in Dailekh, die wir fragten, werden auch als "Collectors" bezeichnet.
Wir erhielten einige Adressen und fuhren weiter.
In Guranse hielten wir, wie üblich, für unseren nun bekannten duthko chiya (Milchtee). Danach kamen wir hungrig in Asmitas Haus an, wo ihre Mutter bereits mit dem Mittagessen auf uns wartete.
Der Nachmittag und die ganze Woche gestalteten sich eher von der gemütlichen Seite. Dies, weil wir nicht viele Interviews pro Tag machten, nur 1 oder 2, und des Weiteren deswegen, weil Asmita auch etwas Pause brauchte / forderte.
Nun gut, das gönnte mir auch eine Pause. Hiess aber auch, etwas Bewegungsmangel in Kauf nehmen. Doch den konnte ich mittlerweile gut ausgleichen, indem ich morgens halt etwas früher aufstand und unsere Yogaübungen auf kleinstem Raum praktizierte, die wir zusammen im Office in Dailekh jeweils machten.
Das Essen war immer hervorragend und ich kam in den Genuss Schwämme (Patteaula) zu kosten. Es sind pilzförmige Dinger, die im Sclamm im Wald wachsen. Das Deutsche Wort kommt mir nur als "Schwämme), laut der botanischen Bezeichnung, in den Sinn.
Zudem erfuhr ich das erste Mal die Einschränkungen eines Mädchens / einer Frau, wenn sie in ihrer "unreinen Phase" ist, bzw. ihre Tage hat. Da ich mit Asmita im selben Zimmer schlief, wurde auch ich als "unberührbar" angesehen und wir durften die ersten 3 Tage nicht in die Küche und nicht ins Wohnzimmer, da dort der Altar des Hauses steht. Glücklicherweise gibt es ein Ritual "sunpaani", welches eine Frau, die nicht in ihrer "unreinen Phase ist" vom "Unberührbarsein" befreit. D.h. nach dem Sunpaani durfte ich in die Küche gehen und dort essen. Asmita musste an der Küchentüre sitzenbleiben, ihr Geschirr selbst abwaschen und wir bekamen auch nicht sehr schönes Geschirr, da wir ja nicht ganz rein waren. Zudem wird das ganze Bett gewechselt, d.h. Mattraze und Decken werden aus dem Zimmer entfernt. Eigentlich hätten wir sogar auf dem Boden schlafen müssen, doch die Enge des Zimmers und Insekten verhinderten dies.
Nun, eine sehr interessante Erfahrung. Am 5. Tag war dann alles wieder normal.
Nach Händlerinterviews und einer gemütlichen Woche ging es am 10. Juli nach Nepalgunj, südlich von Surkhet.
Woche vom 10. Juli bis 18. Juli:
Wir brachen an einem regnerischen Morgen um 6 Uhr früh nach Nepalgunj auf, doch erst gab es eine Tasse Tee.
Als wir in Richtung Tarai fuhren, durch einen Wald hindurch, der zum Bardiya Nationalpark gehört, wurde das Wetter immer warmer und feuchter. In Nepalgunj regnete es in Strömen.
Wir quartierten uns in einem Hotel ein, welches von unserer Adminassistentin in Dailekh arrangiert worden war (Kalpatru). Ein sehr nobles Hotel, nach dem einfachen Landleben, AC im Zimmer und westliche Toiletten.
Es war sehr feucht und heiss, was mein Laptop nicht sehr gern mochte. Er entschied sich, nicht aufstarten zu wollen. Oh schreck! Ich hatte meinen zweiten Ersatzlaptop in Surkhet gelassen. Was tun? Einige Telefone hin und her und der Laptop würde sich am 11. Juli auf dem Weg nach Nepalgunj befinden. Problem solved.
Im Hotel trafen wir auch den Mitarbeiter von Helvetas, der uns diese Woche im Banke Distrikt begleiten sollte. Wir besprachen die Anzahl Interviews mit Händlern, Farmern und Verarbeitern und danach gingen wir Mittagessen. Es gab Daalbhaat, jedoch recht ölig und nicht wirkich gut. Danach verbrachten wir einen gemütlichen Nachmittag im Hotel, wo ich mich eben um das erwähnte Laptopproblem kümmerte un so ging der Nachmittag sehr schnell vorbei.
Am Abend trafen wir unseren Begleiter wieder. Er hatte gute Neuigkeiten für den nächsten Tag. Wir würden Interviews mit Verarbeitern und einem Bauern, sowie mit Händlern machen, grossartig!
Wir gingen zum Abendessen aus, da das Hotel von den Preisen her zu teuer war. Im Restaurant Sidharth bestellten Asmita und ich Momos mit Ziegenfleischfüllung, unser Begleiter und der Fahrer RoTi mit tarkari und daal. Die Momos waren leider nicht sehr lecker, das Fleisch zäh und das Ajar nicht sehr schmackhaft. Da hatten die Männer mit Roti eher Glück.
Als wir ins Hotel zurückkehrten, sprach uns die Rezeptionistin an. Eine Person wünsche mich und Asmita zu sprechen. Es sei ein Theaterautor, der in diesem Hotel einen Theaterworkshop gebe.
Aha, Theaterworkshop! Bereits am Nachmittag hatten Asmita und ich etwas komische Geräusche wie "uuu und aaah" gehört und uns gefragt, was denn los sei. Ich hatte die Vermutung, es klinge nach Theatersprechübungen, doch sicher war ich nicht. Somit hatte ich die Bestätigung.
Wir setzten uns also mit Hari, unserem Begleiter in die Hotellobby und warteten. Ich war neurierig, was für ein Mensch das wohl sein könnte.
Ein Mann kam durch die Halle auf uns zu und grüsste uns mit einem verhaltenen "Namasté". Er setzte sich zwischen Hari und mich und beann erst auf Nepali zu sprechen. Dann wechselte er auf Englisch. Hari stellte sich und den Grund, weshalb wir hier waren vor. Der Theaterautor stellte sich nun seinerseits vor. Sein Name ist Yubaraj Ghimire.
Die Konversation nahm plötzlich eine sehr herzliche Wendung und die anfängliche Spannung war verflogen. Er erzählte uns, dass er Theaterautor sei und Geschichten von reisenden Leuten sammle und deren Erfahrungen in seine Theaterstücke einfliessen lasse.
Danach fragte er mich, wer ich sei, woher ich käme, was ich in Nepal mache, wie ich auf Nepal gekommen sei und wie ich die ganze Kultur, die Umwelt und die Menschen als nichtsehende Person bis jetzt erlebt hatte. Naja, eine lange Geschichte, die ich hier nicht wiedergeben werde.
Er sass neben mir, mit Notizbuch und Stift und notierte sich fleissig. Auch Asmita beteiligte sich lebhaft am Gespräch und es wurde mehr ein sich-austauschen und Kennenlernen, denn eine Art Interview. Wir gingen eine Stunde später auseinander, als gute Freunde und mit der Einladung, an seinem Workshop am Morgen in der exercise class teilzunehmen und so oft reinzuschauen, wie wir wollten.
Ja mei, das war ja vielleicht eine Begegnung. Ein sehr interessanter und weitdenkender Mensch. Wer mehr wissen will, der kann auf
www.shilpee.org
mehr erfahren.
Am folgenden Tag begannen die Interviews, bei über 30 Grad C +und Feuchtigkeit! Es war anstrengend, doch sehr informativ. Die Leute, die wir interviewten waren von verschiedenen sozialen Hintergründen, von Indischen Einwanderern, Madeshi genannt, bis zu einheimischen Taraibewohnern, die zur Minderheit der Tharuvolksgruppe gehören. Die Hügelbewohner haben sehr grosse Vorurteile den Madeshi gegenüber. Sie werden als unhöflich und grob bezeichnet. Unhöflich habe ich sie nicht erlebt, doch sehr direkt und etwas unruhiger als die Hügelbewohner, nicht so gemütliche Leute wie in den Hügeln. Es war natürlich auch wieder Reispflanzzeit und die Farmer waren sehr beschäftigt. Wir schafften es jedoch, die benötigte Anzahl von Interviews zusammenzukriegen. Hari half kräftig mit und so ging das Ganze ziemlich flott voran.
Interviews mit Händlern und 2 bis 6 Verarbeitern wechselten sich mit Farmerinterviews ab. Einmal waren wir bei einem Händler, der die Linsen einfach in einem Schopf gelagert hatte. Ein riesen Berg von Linsen lag auf dem Boden, Staub und Insekten völlig ausgesetzt. Naja, dachte ich mir, nicht sehr hygienisch. Anyway.
Ein weiteres Abenteuer erwartete uns, als wir in ein recht abgelegenes Bauerndorf fuhren. Es hatte in der Nacht in den Hügeln geregnet und wir mussten durch sandiges Schwemmland in dieses Dorf gelangen. Ein gut ausgebauter National Highway brachte uns relativ zügig von Nepalgunj gegen Osten. Irgendwann zweigten wir rechts ab und überquerten auf einer grossen Brücke den Rapti River. Danach lag weites, flaches sandiges Schwemmland vor uns. Reisfelder, teils bepflanzt, teils noch nicht, lagen da. Wir näherten uns einem Wasserlauf, der wegen des nächtlichen Regens einen höheren Wasserspiegel hatte, als üblicherweise. Der Fahrer fuhr vorsichtig an und es ging durch den Fluss, bessergesagt, bis in die Mitte. Kein Vorwärtskommen und Rückwärtskommen mehr, das Wasser stand bis fast zum Wageneinstieg hoch. Was tun?
Glücklicherweise gibt's im Tarai viele Traktoren! Ein Traktor war nach etwa einer Stunde organisiert, der uns herauszog. Asmita und ich nutzten die Gelegenheit, einen kleinen Ausflug durch den Fluss (meist Brackiges Lehmwasser) und auf das sandige Schwemmland zu machen. Die Mittagssonne brannte heiss, doch das ist hier üblich.
Schlussendlich ging die Fahrt weiter und wir erreichten das Dorf Rapti Sunari am frühen Nachmittag.
übringens gibt's in Nepalgunj sehr gute Momos im "Hamro Momo" Shop. Und auch eine Bäckerei war zu finden!
Es war eine sehr gute Woche, voll von Interviews, schönen Begegnungen mit einem Theatermenschen, einem sehr freundlichen Schuhverkäufer, der mich zu einem Lied auf Nepali aufforderte, Begegnungen mit den Tharumenschen, schweigsamen und eher gesprächigen Bauern, dem grössten Soja- und Linsenverarbeiter von Nepal, der die Firma Bühler in Uzwil kennt und einer Fahrt mit einer Veloriksha.
Die Woche endete mit einem letzten gemeinsamen Abendessen mit Yubaraj Dai und einer Kurzeschichte von ihm, die ich später erählen werde.
Und noch wegen dem anfänglich erwähnten Fehler: Ja, beim Führen der Fokusgruppendiskussion erfuhr ich, dass nicht die richtigen Papers ausgedruckt worden waren, obwohl ich mich ettliche Male versicher hat hatte. Nun denn, irgendwie konnte die Diskussion zu Ende geführt werden. Allerdings war ich etwas enttäuscht. Hatte ich doch Asmita gebeten, die ausgedruckten Dokumente nochmals kurz durchzugehen, als wir in Dailekh waren. Nun, solche Fehler können unterlaufen, sind allerdings aber doch ärgerlich.
Montag, 3. Juli 2017
Allerlei Erlebnisse - von Kulinarik bis Management
Na, dieser Titel lässt ja einiges an Erlebnissen erwarten. Und, in der Tat war letzte Woche vieles los.
Kulinarisches:
Die letzte Woche war deshalb besonders, da es allerlei Leckereien aus der nepalesischen Küche gab, mit dem Resultat einer Magenverstimmung meinerseits das vergangene Wochenende! Aber, nicht so schlimm, habe mich wieder erholt.
Der Trick war: Viel trinken, Fencheltee (von der Schweiz mitgenommen, zum Glück) und Jhaalo (oder so ähnlich), ein Brei aus Mungbohnen, Reis, Kartoffeln und etwas Spinatähnlichen Blättern. Dieser Brei ist sehr leicht verdaulich und hat wirklich geholfen.
Begonnen hat die vergangene Woche aber mit gebratenem Huhn am Sonntag, 24. Juni. Danach, am Dienstag, 26. Juni, gab es Suppenhuhn (local bhaale =Hahn). Das ging so vor sich:
Am 26. Juni fuhren Asmita und ich nach Rittha, wo wir die erste Interviewsession gemacht hatten, um ein Follow-up (Fragen, die später erst auftauchen) durchzuführen. Leider waren die Frauen, die wir gesucht hätten, grösstenteils nicht anwesend. So mussten wir uns mit deren 3 begnügen. Dann hatten wir vom Office den Auftrag erhalten, Bhaale mitzubringen.
Unser erster Interviewpartner liess es sich nicht nehmen, uns zu begleiten und bei verschiedenen Häusern, die lokale Hühner hielten, nachzufragen, ob sie uns einen local bhaale verkaufen würden. Und wir wurden auch schnell fündig. Die Frau, die er angesprochen hatte, suchte uns einen jungen Hahn aus. Lokale Bhaale sind rot-schwarz gefiedert und haben einen roten Kamm.
Der Bhaale wurde mit viel Zureden gefangen und von unserem Fahrer ins Auto getragen. Dort hockte er, gackerte ab und zu, verhielt sich aber ruhig.
Wir beendeten unser Follow-up und kehrten hungrig nach Dailekh zurück.
Des Abends, gegen 17 Uhr, der Bhaale hockte mitlerweile in einer Kiste und hatte die Füsse zusammengebunden, nahm unsere Köchen den Hahn zu sich, ein grosses Messer neben sich. Wir "verabschiedeten" uns vom Hahn und nach einem Schlag auf den Kopf, der den Bhaale bewusstlos machte, ging alles ganz schnell. Danach folgte überbrühen, rupfen, ausnehmen, zerteilen etc.
Ja, schon etwas komisch, das Suppenhuhn lebendig gesehen zu haben. Es verschafft aber einem einen anderen Zugang zum Fleisch-Essen, so hatte ich zumindest den Eindruck.
Am Mittwoch gab es Ziegenfleisch, ebenfalls in einer Suppe gekocht. Die Ziege war aber bereits vorher geschlachtet worden.
Gekrönt wurde diese Woche von der kulinarischen Seite her mit Ghee-reis. Reis, der gekocht und in Ghee (eine Art Butter) gebraten wird, mit Kümmel, Zwiebeln etc. Naja, das war aber zu fettig, mein Magen freute es gar nicht.
Nach einer nicht sehr schlafreichen Nacht schien sich das Ganze wieder etwas beruhigt zu haben.
Wanderung in den Midhills Nepals!
Am Freitag, 30. Juni fuhren Asmita und ich wiederum los, diesmal nach Aturali, wo wir ebenfalls ein folow-up derselben Fokusgruppendiskussion machen sollten, die wir in Rittha durchgeführt hatten.
Die Nacht zuvor hatte es aber heftig geregnet und wir wussten nicht, ob wir bis Aturali durchkommen würden, da die Strassen in immer schlechterem Zustand waren und von Erdrutschen bedroht wurden.
Nun, um 6 Uhr morgens ging die Fahrt bei sonnigem Wetter los. Wir kamen bis knapp nach Aturali. Die Strasse wurde vor einem kleinen Erdrutsch nicht mehr passierbar. Unser Fahrer hatte aber grossartiges geleistet! Alle Achtung, hier ist ein Fahrzeug lenken wirklich eine Kunst.
Wir stiegen aus und hatten nur einige Kekse gefrühstückt. Egal, das Wandern ging los!
Zu Fuss kamen wir gut voran, auch wenn Asmita sich das Gehen in solchem Gelände überhaupt nicht gewohnt ist. Wir stiegen die Strasse hinauf (den Schotterweg bessergesagt), zwischen Maisfeldern hindurch. Zwischen den Maispflanzen wird ladyfingers (Okra), Kürbis, Gurken und Sojabohnen am Rande angepflanzt. Die Strasse wandt sich serpentinenförmig den Hang hinauf, die Grillen veranstalteten ihr Morgenkonzert und ein Specht, der anders klingt als in der Schweiz, begleiteten unseren "Spaziergang / unsere kleine Wanderung).
Es war 7:30 Uhr, doch bereits sehr drückend und schwühl. Mir war es egal, ich freute mich zu sehr, wiedermal in solchem Gelände unterwegs zu sein:-).
Nach einem abenteuerlichen Aufstieg zwischen Maisfeldern hindurch, schlipfrige Erdstufen hinauf, erreichten wir das Bauernhaus, bei welchem wir die Woche zuvor so gastfreundlich empfangen worden waren. Allerdings war hier niemand zu sehen. Der Farmer hatte am Telefon, so Asmita, sehr unhöflich geklungen und nicht sehr erfreut, versprach aber, da zu sein.
Er war nicht da und jetzt? Wir stiegen ein Stück weit den Weg hinunter, den wir gekommen waren, und fanden einen anderen Farmer, den wir interviewt hatten. Er musste, wohl oder übel, als Repräsentant des ganzen Dorfes hinhalten, da alle anderen bei der Reispflanzung waren.
Nach 30 min hatten wir auch diese Interviewserie volendet und nun sind die Interviews in Dailekh abgeschlossen!
Gemeinsam mit zwei anderen Nepalesen (einer Frau und einem Mann), machten wir uns auf den Rückweg. Der eine Nepalese, der uns begleitete, fanden wir heraus, kommt aus Humla, einer Region im Nordwesten Nepals, an Tibet grenzend.
Wer übrigens mal was über ein spannendes Schulprojekt in Humla lesen will, dem empfehle ich auf:
www.headnepal.org
nachzuforschen :-)
Wir erreichten unser Auto und fuhren hungrig nach Dailekh zurück. Auf der Fahrt erhielt ich ein Telefonat von unserem Koordinator in Banke, der unsere Arbeit dort begleiten wird.
Planänderung in Kürze:
Es war geplant, am 5. Juli nach Banke zu fahren, um mit den Interviews mit den Linsen-Farmern zu beginnen. Unser Field Begleiter kann allerdings erst am 10. Juli. Ich hatte keine Lust, eine weitere Woche in Dailekh zu vertrödeln und entschied kurzerhand, die Trader Interviews in Surkhet vorzuverschieben.
Nun werden wir morgen nach Surkhet aufbrechen, in Asmitas Haus übernachten, bis am Sonntag, 10. Juli, und in der Zwischenzeit die Trader Interviews durchführen.
"Hihi, toll!", dachte ich, während wir über den Highway nach Dailekh zurückfuhren. Was haben wir mal in der WMS gelernt?
Ein Manager plant, führt durch und kontrolliert das Ergebnis danach. Steht auch so im Thommen (Wirtschaftsbuch in der HAFL). Nun, geplant hatte ich, durchgeführt hatte ich und im Rückblick musste bei der Kontrolle des Zeitplans eine Anpassung gemacht werden. Das ist doch herrlich, wenn man gebüffelte Theorie mal in der Praxis anwenden kann.
Nun, soviel zur letzten Woche. Gesund bin ich nun wieder:-)
Sonntag, 25. Juni 2017
Dailekh wird erkundet
Namasté,
Es ist Sonntagmittag, auf der Strasse herrscht das übliche Stimmengewirr des Dailekh Bazars, irgendwo hört man Musik, die Kinder sprechen Vokabeln den Lehrern in der Schule nach, die gleich über die Strasse liegt und ich sitze im Büro und habe frei. Schön, oder?
10 Tage Schreibstille, warum?
Nun, es ist allerhand los gewesen. Seit dem letzten Beitrag haben sich die Ereignisse überschlagen, deshalb das lange Schweigen, doch der Reihe nach.
In der Woche vom 12. Juni, diktierte mir Asmita die ersten 5 Interviews, die wir in Rittha gemacht hatten. Damit waren 2 Tage vergangen. Des Weiteren begann ich, an meiner Arbeit so wirklich zu schreiben, das Quellenverzeichnis azulegen und weiterhin Literatur zu lesen.
Dazu gesellte sich eine heftige Diskussion, wer denn für meine Arbeit verantwortlich war. Im Helvetasbüro in Dailekh sind 2 Projekte untergebracht: Good Governance und ein Projekt, welches die Entwicklung eines besseren landwirtschaftlichen Dienstleistungssystems unterstützt. Wer genaueres wissen möchte, darf gerne googeln.
Nun, die Verantwortungen waren nicht wirklich geklärt, beide Projektkoordinatoren überlastet und niemand hatte Zeit, mit Asmita und mir ins Feld zu kommen. Schliesslich konnte allerdings doch eine zweite Interviewsession in Toli, etwas nördlich von Dailekh in Richtung Jumla, festgelegt werden.
Die Strasse endet in Toli:
Am 16. Juni brachen Asmita und ich, mit Fragebögen ausgerüstet, nach Toli auf. Es war gegen 8 Uhr morgens und versprach ein schöner und heisser Tag zu werden. Das Vehicle, das wir für diese Fahrt angefragt hatten, hollperte aus dem Bazar hinaus und folgte ein Stück weit der "guten" Strasse, bevor es links weg abbog, in einen Wald, der von Lichtungen, Feldern und einzelnen kleinen Dörfern durchbrochen wurde. Die Strasse wurde holprig, sehr holprig, die Räder glitten fast auf dem staubigen Gestein aus, der Wagen ruckelte über Wurzeln und die Äste der nahestehenden Bäume streiften die Autoscheiben. Wir fuhren irgend was um die 30 km / h.
Die Strasse schlängelte sich durch die nepalesische Hügellandschaft und wir erreichten schlussendlich Toli. Die Strasse war staubig und führte zwischen 2 Häuserreihen, links und rechts des Weges durch. Danach hörte der Weg auf bzw. war nicht mehr mit dem Auto passierbar. Zumindest für meinen Geschmack nicht.
Wir stiegen aus und wurden vom "Field Coordinator" von Toli in Empfang genommen und in ein kleines Büro geführt. Die Häuser hier bestehen aus Lehm und Steinen, sind aber während der Tageshitze angenehm kühl. Der Boden war von einem Plastik bedeckt, ein Holztisch stand in der Mitte des Raumes und Gartenstühle aus Plastik dienten als Sitzgelegenheit. An den Wänden einiges Gerümpel. Schweigen, als wir uns an den Tisch setzten.
ich dachte erst, wir seien nur zu dritt (field coordinator, Asmita und ich). Allerdings stellte sich heraus, dass noch einige Leute mehr am Tisch sassen, deren 2. Wir stellten uns vor und trugen unser Anliegen vor. Es sei möglich, 5 bis 7 Interviews und eine Fokusgruppendiskussion zu machen, sagte der Field Coordinator. OK.
Danach gab es Daalbhaat und anschliessend folgte die erste Interviewserie. Eine Dame, Health Assistent im Dorf, begleitete uns. Das Dorf wirkte ausgestorben, es waren nicht viele Leute da. Eine Frau trieb ihre Ziegen, Küe und einen Büffel in den Wald zur Weide.
Wir gingen die staubige Strasse entlang und bogen schräg nach rechts oben ab. Der Feldweg führte den Hügel hinauf, vorbei an Lehmhäusern, Maisfeldern und einigen grasbewachsenen Felsen. Der Fels hier ist sehr kalkig, staubig. Er erinnerte mich fast an Sandstein.
Wir erreichten das erste Haus, in dem wir Interviews machen würden. Doch die Leute in Toli waren nicht sehr gesprächig. Das Interview dauerte lange und die Leute gaben Informationen nicht leicht preis.
So ging es mit dem 3 und 4. Interview weiter und eine Dame verliess mitten im Interview den Platz. Sie müsse nach Hause, da sie zu viel Arbeit habe.
Ja, wir erfuhren, dass wir an einem schlechten Zeitpunkt gekommen waren. Das ganze Dorf war bei der Reispflanzung. Erlichgesagt hatte ich das vergessen / nicht miteinberechnet.
Naja, schlussendlich kamen 5 relativ gute Interviews zustande. Aber wir sollten am nächsten Tag zurück nach Dailekh, da eine Fokusgruppendiskussion unwahrscheinlich war und die Bauern zudem Sojabohnen nur für den Eigenkonsum produzierten.
Das nächste Dorf, das Sojabohnen im grösseren Stil anbaut, wäre 3 h zu Fuss entfernt gewesen, der Weg dorthin sei allerdings "zu schwierig, wenn man nichts sieht." Ich quittierte das mit einem Stirnrunzeln, meine Einwände halfen nichts. OK, accepté.
Nach einem guten Abendessen (Daalbhaat) und einer von Mücken- und Fliegengesumme erfüllten Nacht, kehrten wir nach Dailekh zurück, nachdem wir am Samstag, 17. Juni einen kleinen Morgenspaziergang in Toli gemacht hatten. Wir waren unter ständiger Beobachtung der Dorfkinder!
Am Sonntag, 18. Juni, kam mein Supervisor der HAFL, ehemaliger Dozent für Extension und Rural Development, zu Besuch.
Es wurden einige Dinge besprochen, von der Wohnsituation, über den relativ geringen "Ausgang" bishin zur Bachelorarbeit.
Verantwortungen für die Arbeit wurden geklärt und wir haben nun die Aufgabe, mindestens 3 Mal in der Woche spazieren zu gehen, juuu!
Eine dritte Interviewsession am 19. Juni und 21. Juni in Lakuri folgte. Diese war mit Abstand die Beste! Lakuri befindet sich südlich von Dailekh in einer Terassenlandschaft, in der die Bauern Mais, Reis, manchmal Hirse, Sojabohnen, Gemüse und Orangen / Kardamom anbauen. Dies alles auf sehr geringem Bodenmaterial, 10 bis 20 cm Humus danach derselbe Kalkstein wie in Toli. Es ist unglaublich, wie die Leute hier jeden auch noch so gering fruchtbaren Boden nutzen, um Lebensmittel anzubauen.
Die Leute in Lakuri waren um einiges gesprächiger und auch hier wurden wir köstlich bewirtet mit Daalbhaat, frischem Jogurt, local Bhaale, Rettichsuppe und reich beschenkt mit Chichinda (Snakegard) und beim zweiten Mal sogar mit Sojabohnen.
Diese rösteten wir in Dailekh. Sie werden wie Erdnüsse gegessen oder mit Chilli und Zwiebeln serviert.
Nun, alle 17 Interviews in Dailekh mit den Farmern sind nun zu Ende. Doch es werden noch Interviews mit Händlern und Verarbeitern in Dailekh / Surkhet folgen sowie Interviews mit Bauern, Verarbeitern und Händlern über Linsen. Die Entdeckungsreise ist noch nicht abgeschlossen!
Lakuri ist eine sehr wasserarme Gegend. Es gab zwar mal ein Wassersystem, welches jedoch zusammenbrach und niemand repariert es. Bei einem Hof müssen die Leute 1 bis 2 km zu Fuss gehen und Wasser heranschleppen. Auch hier in Lakuri wird alles von Hand gemacht, Feldarbeit, Kleiderwaschen etc. Die Strasse ist auch hier steinig und staubig, Regen ist bitternötig. Doch der Monsun verspätet sich.
Doch seit einigen Tagen regnet es bei Nacht und morgens treiben feuchte Nebel in die Räume, wenn man das Fenster öffnet.
Ganz vergessen habe ich den Besuch auf einer horticultural farm. Auch dieser statteten wir zusammen mit dem Büroteam und dem HAFL-Dozenten einen Besuch ab. Später, vergangenen Freitag, wohnten Asmita und ich einem Training von Farmern über Orangen und Gemüse bei. Da sah ich auch zum ersten Mal einen Kiwibaum! Ein sehr interessantes Rankengewächs.
So, nun hab ich genug erzählt und das ist auch alles, was die vergangenen 10 Tage geschehen ist. Langweilig wird's nicht.
Bis zum nächsten Mal.
Dienstag, 13. Juni 2017
Landleben und Einblicke in die Nepalesische Landwirtschaft
Namasté,
Die vergangene Woche erscheint mir ewig lange! Es ist auch dementsprechend viel los gewesen.
Die ersten 3 Tage der vergangenen Woche hatte ich alle Hände voll zu tun, um mich auf den ersten "Feldbesuch" vorzubereiten. Es galt, den Fragebogen für die Bauern so anzupassen, dass er während dem Interview ausgefüllt werden konnte, letzte Besprechungen zu treffen, wie wir das Interview führen sollten und innert 2 Tagen einen Leitfaden für eine Fokusgruppendiskussion zu erstellen.
Dazu vergrub ich mich in Literatur zu diesem Fokusdiskussionsthema, übrigens etwas sehr effektives und spannendes, wenn man qualitative Ergebnisse erhalten möchte.
Am Donnerstag, 8. Juni ging es dann "endlich" los. Ich war froh, die Enge von Dailekh für 1 oder 2 Tage hinter mir zu lassen.
Wir fuhren in einem Office vehicle in Richtung Surkhet. Rittha war unser erstes Ziel. Der Wagen fuhr über den "Highway" und hielt plötzlich neben einem Haus. Wir stiegen aus. Auf die Frage, wo wir denn seien, hiess es: "Beim ersten Farmer.". OK, da waren wir also.
Wir wurden von einem Herrn herzlich willkommen geheissen und auf eine kleine Veranda vor dem Haus gebeten. Eine "Gundri" wurde ausgerollt. Dies ist eine traditionelle nepalesische Matte, geflochten aus Reis- oder Maisstängeln (bzw. Stroh). Wir setzten uns also da drauf und stellten uns vor (Asmita, Shilpa und ich). Einige Familienangehörige waren ebenfalls anwesend, zu trinken gab es nichts.
Es war sehr warm, doch glücklicherweise ging ein Wind, der durch die nahestehenden Bäume strich. Das Interview dauerte, Übersetzung eingeschlossen, 3 Stunden. Also viel zu lange! Wir mussten unsere Taktik ändern. Das Interview wurde auf Nepali geführt. Ich verstand so viel, dass ich dem Fragebogen einigermassen folgen konnte, allerdings nicht den Antworten.
Der Hof war schön gelegen, in mitten des Hügellandes. Soja wird auf abschüssigem Gelände (Hanglage) angebaut, alles ist Handarbeit! Vom Säen über ernten und jäten. Zudem hatte die Familie noch 2 Kühe und einen Büffel, einige Zitrusbäume standen auf dem Hof sowie ein Gemüsegarten, der die Familie mit Gemüse versorgte. Zudem gab es Hühner und Ziegen, die mal zwischendurch etwas von sich hören liessen (Gegacker bzw. Gemecker). Auch eine kleine Katze stattete uns einen Besuch ab.
Nach dem Interview stärkten wir uns mit "zauzau", asiatischen kurzen Nudeln. ich war allerdings nicht sehr hungrig, da mir das Wetter etwas zu warm war.
Inzwischen war es gegen 17 Uhr geworden und wir steuerten under Nachtquartir, Guranse, an. Wie bereits früher erwähnt, liegt dieses Dorf auf 2100 m.ü.m. Wir quartierten uns im Dorfhotel ein. Durch einen schummrigen Gang traten wir in einen Hinterhof, der den Blick auf die umliegenden Berge freigab. Eine schöne Abenstimmung herrschte. In Mitten des Hofes hockte eine Frau auf dem Boden und zerhackte ein Huhn. Ja, nicht grad sehr anschaulich!
Mit einigen "hä, hä" schäuchte sie die neugierigen Artgenossen zur Seite und fuhr mit dem Zerhacken fort.
Wir bezogen unsere Zimmer, in denen nichts weiter stand als 2 Betten. Toliette war angeschlossen, allerdings recht stark stinkend. Wir entschlossen uns auf einen "Abendspaziergang" zu gehen.
Kaum hatten wir die Strasse überquert, stoppten wir wieder, erst ging man Tee trinken. Der Tee war schwarz, süss und mit Pfeffer, Kardamom und Ingwer abgeschmeckt. Danach ging es im Schlendrian-Tempo weiter den Hügel hinauf. Wir kehrten nach ca. 15 min wieder um, sehr zu meinem Leidwesen, aber was solls.
Wir hatten uns umquartiert und wohnten jetzt für 2 Nächte im selben Teehaus, welches uns auf unseren vorherigen Durchfahrten immer so leckeren Milchtee serviert hatte. Das Zimmer war einfach, aber relativ sauber. Eine Plastik Gundri lag auf dem Boden, es gab aber warme Decken.
Zum Abendessen gab es "local bhaale", lokales Suppenhuhn. Es schmeckte köstlich und wurde mit Reis und Gemüse serviert.
Am nächsten Tag standen 5 Interviews und eine Fokusgruppendiskussion an. Doch zuerst machten wir einen "langen" Spaziergang und dies im wahrsten Sinne des Wortes! Wir gingen bis zur Distriktgrenze von Surkhet, die etwa eine halbe Stunde zu Fuss von Guranse liegt. Auf dem Weg sahen wir Aaru Pokhara Bäume (Pflaumen), Rhododendronbüsche, die die Hänge besetzten und viele Kartoffelfelder. In Guranse wird zudem sehr viel Gemüse produziert, das bis nach Indien geliefert wird. Auch Kaffee wird neulich angepflanzt, allerdings kein Tee. Woher der Name "Guranse Tee" kommt, den ich bereits mal gelesen hatte, ist mir schleierhaft.
Die Interviews waren gut und verliefen in der geplanten Zeit von 2 h, wobei wir 2 Leute gleichzeitig interviewten.
Bei der Fokusgruppendiskussion überraschte uns ein Platzregen und schäuchte uns in das Haus einer Bäuerin. Sie röstete Sojabohnen und der kleine Raum wurde voller Qualm. Das Ganze fand wiederum auf dem Boden statt (siten).
Danach fuhren wir nach Guranse zurück (wir waren in Rittha) und stärkten uns mit Milchtee und Kichererbsensuppe. Danach ging es "off-road" und weg von der Strasse. Der Wagen hielt irgendwo im Nirgendwo. Es gäbe da einen "open ground", wo man gut spazieren könne.
Nun, lasst uns diesen "open ground" entdecken! Es war eine offene Wiesenfläche, sehr kurz abgegrast, die von Wald umgeben war. Irgendwo im Gestrüpp hörte man die einsame Glocke einer Kuh, Vögel zwitscherten und die Grillen veranstalteten ihr übliches Abendkonzert, eine friedliche Stimmung lag über dem Ort.
Ich erkundete diese Wiesenfläche mal auf eigene Faust und stellte fest, dass hie und da Felsen herumlagen, über die natürlich drüber balanciert werden musste. Hui, das war spannend. Danach gab es viele Photos mit den anderen beiden Frauen und der Mutter von Shilpa.
Asmita erzählte mir, dass es auf der Lichtung ein leerstehendes Häuschen gäbe. Auch dieses musste entdeckt werden. So machte ich mich wieder alleine auf und, tatsächlich, fand ich es nach einigem Suchen. Der Eingang war offen, der Boden allerdings moos- und grasbewachsen. Ich entschloss mich, nicht hineinzugehen. Stattdessen ging ich um das Haus herum und blieb stehen, als ich Schritte hörte.
Eine Frau kam des Weges und stellte ihren leeren Eimer ab. Sie hockte sich hin. Ich begrüsste sie auf Nepali: "Namasté". Sie antwortete und begann mich auszufragen. Natürlich waren meine Kenntnisse schnell erschöpft und da kam Shilpas Grossmutter zur Hilfe. Sie spricht zwar auch nur Nepali, konnte der Frau aber erklären, was ich ihr nicht erklären konnte.
Die fremde Frau, oder Didi fragte mich, wie alt ich sei, woher ich komme, ob ich vereiratet sei und Kinder hätte. Naja, so gut es ging sprach ich etwas mit ihr und dann legten wir ein Stück des Heimweges zu Fuss gemeinsam zurück. Sie wohnt in einem kleinen Ort nicht weit von dieser Lichtung.
Danach ging es zurück nach Guranse, Abendessen (local bhaale" der Rest davon, und dann ins Bett.
Der nächste Morgen begann früh. Wir tranken Milchtee und assen Selrotti, ein ringförmiges Gebäck aus Ghee und Reismehl sowie Wasser. Frisch gebacken schmeckt es am köstlichsten!
Rückfahrt nach Dailekh, faules Wochenende und nun erste Datenanalyse.
Mal sehen, was es diese Woche spannendes gibt.
Alla prossima.
work and experiences in Nepal: ÖV System zum Zweiten und Kleinigkeiten
work and experiences in Nepal: ÖV System zum Zweiten und Kleinigkeiten: Namasté, 18 Uhr Ortszeit und ein Sommergewitter mit heftigem Regen geht über Dailekh nieder. Es hatte bereits vergangene Nacht geregnet, na...
Montag, 5. Juni 2017
ÖV System zum Zweiten und Kleinigkeiten
Namasté,
18 Uhr Ortszeit und ein Sommergewitter mit heftigem Regen geht über Dailekh nieder.
Es hatte bereits vergangene Nacht geregnet, nachdem die vergangenen 2 Tage drückend heiss gewesen waren.
Ich verbrachte das Wochenende wiederum in Surkhet bei der Familie meiner Bahini und möchte euch noch etwas genauer übers Nepalesische Bussystem berichten.
Am Freitag, 02. Juni, fuhren wir am Nachmittag nach Surkhet. Das Wetter war bereits sehr warm und ich gönnte mir noch einen Kaffee, bevor wir den Bus nahmen. Das funktionierte folgendermassen.
Debu Didi hatte uns einen Bus herausgesucht / sich erkundigt. Dieser fuhr um 13 Uhr, nahe beim Office. Wir gingen also um 12:45 h dorthin und stzten und auf eine Bank, um zu warten. Warten mussten wir hier glücklicherweise nicht lange. Ein Fahrer war bald da und wir bestiegen den kleinen, engen Bus mit einer grossen Tasche, die unsere Habseeligkeiten beinhaltete. Nach einigem Hin und Her ging die Fahrt los. Es waren 2 Fahrer dabei.
Der eine Dai fuhr, der andere Dai klopfte in einer bestimmten Code-Sprache auf die Autohaube und rief: "Ah, Surkhet, Durkhet!". Das Gefährt rollte langsam die holprige Dorfstrasse entlang und ich hatte das Gefühl, dem Ton nach müsse sich der Beifahrer ziemlich weit aus dem Auto gelehnt haben oder irgendwie auf dem Trittbrett mitfahren, denn die Stimme kam immer wieder von aussen. Es stiegen auch immer mehr Leute ein.
Wir erreichten den Busparkplatz und warteten ca. 30 min dort, bevor die Fahrt wirklich losging. Es war sehr heiss und die Enge im Bus trug nicht gerade zu einer angenehmen Fahrtatmosphäre bei. Nun, endlich ging die Fahrt los. Der Beifahrer Dai klopfte 4 mal "bum bum, bum bum" auf die Autohaube und es ging los. Unterwegs stiegen noch einige Kinder zuderen Mutter den Fahrer warnte, dass ihnen schlecht werden würde. Oh, was für ein Vergnügen! ...
Da die Fenster offen waren, kam zumindest frische, aber staubige Luft hinein, was die Fahrt etwas erfrischender machte. Ich freute mich auf Gruanse, ist es doch dort oben immer angenehm kühl (für Schweizer Verhältnisse), für Nepalesische kalt (wenn man aus Surkhet kommt).
Einmal klopfen auf die Fahrerhaube heist "halt". So stiegen hie und da Leute ein und aus und wir erreichten Surkhet nach 3.5 h Fahrt.
Wenn man nach Guranse in Richtung Surkhet Valley hinunterfährt, geht es zuerst in einen Wald. Grillen zirrpten und wir hielten, um einen "Toilettenhalt" einzulegen. Dann ging die Fahrt weiter und nach dem Wald und einigen Kurven breitete sich das Tal rechts von uns aus. Es ist bewaldet und breit, man sieht Häuser und den Fluss, der durchs Tal fliesst. (Beschreiung von Asmita).
Surkhet empfieng uns tropisch feucht und heiss! Die Hitze erschlug uns fast. Wir gingen zu Asmitas Haus und ich lernte auch noch ihre Grossmutter (Hajur Ama" kennen. Sie trug einen Doti (Wickelrock), üblich für traditionell gekleidete, ältere Frauen in Nepal.
Wir stärkten uns mit Mango und Aaru Pokhara (Pflaumen) und ruhten uns aus. Asmitas Mutter kam spät und holte sich eine Schimpftirrade ihrer Tochter ein, denn Frauen kommen nicht nach 8 Uhr Abends nach Hause, normalerweise, und informieren ihre Familienangehörigen, wo sie sind und wann sie kommen.
Nun, Asmitas Mutter hatte es eben diesmal vergessen. Für mich nicht sehr schlimm, für Asmita ein Grund zur Schelte.
Wir assen Daalbhaat und legten uns alsbald schlafen.
Ich verbrachte eine schlechte Nacht, nicht nur wegen der Hitze, auch wegen des lauten Hundegebells, das mich um 4 Uhr morgens aus dem Schlaf riss und bis 5 Uhr andauerte. Danach war an Schlaf nicht mehr wirklich zu denken.
Asmita lernte den ganzen Tag immer wieder einmal, wir tranken Tee zum Frühstück und es gab wieder Daalbhaat mit Ziegenfleischsuppe. Als Zwischenmalzeit gab es Ziegenfleischmomos, die in einer Suppe gekocht worden waren.
Alles sehr lecker, doch etwas viel bei dieser Hitze! Naja.
Des Nachmittags taten wir nicht viel anderes, als Siesta zu machen. Es war einfach zu heiss draussen. Abends dann kühlte es ab und wir machten uns auf zum Bazar, um Gemüse und noch einige andere Kleinigkeiten einzukaufen.
Dabei lernte ich "daude", ein nepalesisches Gemüse kennen, dessen Deutschen Namen ich nicht weiss. Es ist grün, aber gerollt wie eine Krevette. Ja, das ist die naheste Beschreibung, die mir in den Sinn kommt. Schmecken tut das Ganze aber wie Gemüse! Keine Sorge :-).
Den folgenden Tag verbrachten wir ähnlich, aber mit dem Unterschied, das Asmita eine Prüfung hatte und nicht viel schlief in der Nacht auf den Sonntag. ich blieb mit ihrer Mutter zu Hause und hatte die Gelegenheit mein Nepali in die Tat um zu setzen. Ire Mutter spricht kein Englisch, doch ich war überrascht, wie gut wir uns verstanden. Das relativ intensive Nepali-Studium neben der Schule in der Schweiz hatte sich also gelohnt.
Nach dem Essen machten wir uns langsam bereit, wieder nach Dailekh zu fahren und nahmen den Bus um 14 Uhr.
Dieses Mal allerdings, liess uns der Busfahrer 45 min in der Hitze stehen. Er tauchte einfach nicht auf. Die Fahrgäste wurden ungeduldig. Es war drückend heiss und er kam und kam nicht. Dann, endlich, ging es los. Der Fahrer hielt aber einige Minuten später wieder, aus unerklärlichen Gründen, und so ging es weiter bis nach Guranse. Dort legten wir einen Tee-Stop ein, doch weder Asmita, noch ich hatten lust, auszusteigen.
Danach schlief ich immer wieder ein und wir erreichten nach 4 Stunden endlich Dailekh, staubig, müde und verschwitzt.
Hier kann wirklich die Geste "sich den Reisestaub vom Gesicht waschen" verwendet werden! Glücklicherweise trugen wir eine Maske, welche unsere Lungen vor dem Gröbsten Staub verschonte.
Vergangene Woche tat ich nicht viel Spezielles, ausser meine verbleibenden 4 Monate zu planen und Literatur zu lesen.
Diese Woche wird es am Freitag, 9. Juni, mit den Interviews endlich losgehen! Eine letzte Besprechung heute und eine letzte Anpassung des Fragebogens, sowie die Erstellung eines answer Sheets für die Analyse stehen noch an.
Ansonsten regnet es jetzt immernoch und wir sehen, wie das Wetter die Woche wird.
Grüsse und bis nächste Woche.
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